Auszüge aus (möglichen und unmöglichen) Konzertkritiken

*die hier wiedergegebenen literarische Ergüsse,

geben nicht immer (aber immer öfter)

die Meinung der Redaktion wieder,

sind auf ihre Echtheit nicht überprüft

und sollten daher mit Vorsicht „genossen“ werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Kritiker oder Psychologen.

 

Vorgabe:

Kritiker bewundern Bratscher wegen ihres Könnens, Sie lieben sie aber eher wegen ihrer Schwächen, die sie kritisieren können!

 

„Was ihr wollt“ und „Wie es euch gefällt“, diese beiden Titel von Shakespeare passten nicht für das Konzert des Bratschisten. Herr NN (dessen Name ich schon vergessen habe)spielte vielmehr „Was ich will“ und „Wie es mir gefällt“.

 

„Gestern gastierte der Bratschist N. Grün in Frankfurt. Er spielte so geschmackvoll, dass mir grün vor den Augen wurde. Darüber hinaus beschlich mich die Empfindung, als müsste ich bei jedem Bogenstrich in grüne Äpfel beißen“.

 

„Der Solo-Bratschist hat nicht die leiseste Spur irgendeiner musikalischen Begabung. Sein Spiel gibt jedermann das Recht, mit ihm sofort jegliche Beziehungen abzubrechen“.

 

„Während der diesjährigen Konzertreihe traten auch einige Solo – Bratscher auf. Das ist zwar nicht so gefährlich wie eine Epidemie, gegen die man sich vorab vorsorglich impfen lassen kann. Es stellt sich aber die Frage, ob man durch eine solche Impfung auf Dauer auch resistent wird, - ein Bratscher muss ja mit fünfzig multipliziert werden.

 

Heuer gastierte der Bratschist Peter Hahn schon zum dritten Male in unserer Stadt. Auch diesmal kann ich keine Lobeshymnen ob seiner Leistung anstimmen. Mein Fazit: „Und als der Hahn zum dritten Mal krähte, ging Petrus hinaus und weinte bitterlich“.

 

Während eines Musikfestivals gaben zwei Bratscher jeweils ein Gastspiel.
Dazu äußerte sich ein Kritiker: „Nach dem Besuch beider Konzerte fiel mir unwillkürlich die Bibelstelle ein: „Ich hasse eure Feste, Euer Spiel mag ich nicht länger hören!“

 

Das Premierekonzert eines Bratschers ging voll in die Hose. Dazu schrieb ein Kritiker:

„Vom Spiel des Solisten war zwar niemand hingerissen, - aber nach den Lachsalven zu urteilen, muss jemand im Saal Witze

gerissen haben.“

 

„Der Solist war willig, aber die Bratsche verstimmt.“

 

Das letzte Jahrhundert hat uns eine merkwürdige und sonderbare Art von Solisten beschert, die in der Vergangenheit ohne Vorbilds waren. Man nennt sie Bratscher. Mit unverschämter Dreistigkeit preisen sie uns ihre so genannten Spezialitäten an – so wie der Koch seine Spezialitäten anpreist. – Mein Fazit: Ich gehe lieber essen!

 

Gestern gastierte der vielseits gelobte Bratscher N.N. in unserer Stadt. Dessen Leistungen bestärken erneut meine leise Ahnung: Das beste Mittel, einem Bratscher zu helfen, besteht darin, ihm sein Instrument wegzunehmen.

 

Man muß Bratscher nehmen sie sie sind, andere gibt es nicht. Dies wurde durch das gestrige Konzert wiederum bestätigt.

 

Im gestrigen Konzert, beanspruchte der Bratscher erneut die Fähigkeiten der Zuhörer bis an die Grenzen.

 

Das Spiel des Bratschers kam oftmals einem Make-up am nächsten.

 

Mehrmals fanden die Konzerte bei den Kritikern schon negatives Presse-Echo, allerdings nicht beim Publikum. Dies blieb den Konzerten fern.

 

Sein Spiel wird von Tag zu Tage immer schlechter, aber warum spielte er heute schon wie übermorgen?

 

Es ist sinnlos den Bratscher ob seines Könnens zu kritisieren, er ist gegenüber jeder Kritik

„Beratungsresistend“.

 

Wenn ein Kritiker eine Solo-Bratscherin anziehend findet, vergisst er sogleich all seine Vorurteile.

 

Beim gestrigen Solokonzert hatte der Bratscher seine liebe Last mit seinem Instrument. Wir wissen nicht, ob die Bratsche indisponiert war, streikte und die Arbeit verweigerte. Der Solist gab sich jedenfalls alle erdenkliche Mühe. Er stimmte die Bratsche  während des Konzertes immer wieder, während die Bratsche nie stimmte. Angesichts dieser ungerechten Arbeitsverteilung raten wir dem Solisten, sich mit seiner Gewerkschaft in Verbindung zu setzen. 

 

Beim jüngsten Konzert der  „Die sieben jungen Bratscher“ in der hiesigen Stadthalle kamen bei mir Erinnerungen an die Arie „Glücklich ist, wer vergisst“ aus der Operette Die Fledermaus von Johann Strauß  hoch. Wir sind allerdings noch nicht in der glücklichen Lage, zu vergessen, was uns in der Vergangenheit in der Stadthalle an guten Konzerten geboten  wurde. Nun ist offensichtlich auch in unserer Stadt die Drittklassigkeit eingekehrt, wie das Konzert zeigte. Zu Gast waren „Die sieben jungen Bratscher“, ein aus Mitgliedern des Städtischen Orchesters in NN. bestehendes Ensemble, das möglicherweise über eine eigene Homepage verfügt, das allerdings  - evtl. angesichts der nur spärlich gefüllten Stadthalle - das Programm offensichtlich sehr lustlos absolvierte. Allein der Primas des Ensembles war zeitweise in seinem Element und versuchte auszugleichen, was seinen Mitstreitern fehlte.  Fazit: Tatsächlich! - Glücklich ist, wer vergisst !

 

Aus der „Feder“ von Bernd Hemmerle www.bernhard-hemmerle.ath.cx

 

 

 

 

Zugabe:

 

Bratscher wird es immer geben. Sie werden nach wie vor auftreten und spielen, auch wenn die Kritiker vor Wut platzen.

 

 

 

... dazu noch ein kleines Gedicht:

 

Kritiker dünken sich klüger als wir,

ihre „Anwürfe“ machen uns daher selten Plasier.

Jedoch die Gewissheit, dass die Kritiker dümmer,

erfreute uns Bratschisten schon immer.

 

 

 

...und ein Witz:

 

Treffen sich zwei Bratscher im Magen eines gefürchteten Kritikers. Sagt der eine: Ach, auch du hier! Hat er dich auch gefressen ? Antwort: Mein lieber Herr Kollege, es gibt auch noch andere Zugänge, auch wenn diese eng sind !